Die Gegend rund um die Friesenstraße war einst beliebter Treffpunkt der Halbwelt. Boxringe und Freudenhäuser sind mittlerweile zwar verschwunden - aber die Nächte im Friesenviertel sind immer noch lang und feuchtfröhlich
Kaum ein Kölner Veedel wird so sehr mit einer einzigen Straße in Verbindung gebracht wie das Friesenviertel. Kein Wunder, schließlich ist die Friesenstraße "die" Ausgehmeile in der Innenstadt. Es reiht sich Bar an Bar, für Abwechslung ist reichlich gesorgt - und zwar im doppelten Sinne. "Das Publikum unterscheidet sich hier schon stark vom Ringpublikum, ist aber gleichzeitig wiederum sehr heterogen. Im Friesenviertel ist einfach für jeden etwas dabei", meint Peter Heising, Mitinhaber des Bar-Restaurants Heising und Adelmann. Und so existieren XX Dos Equis und Goldfinger, Arkadia und La Bodega, oder auch der Irish Pub Jameson und das Brauhaus Päffgen in Harmonie nebeneinander, obwohl sie teilweise sehr unterschiedliche Gäste haben. Trinken, Essen, Tanzen, Feiern hat im Friesenviertel Tradition. Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts war die Friesenstraße Kölns Amüsiermeile und lockte mit Varietés wie dem "Groß Cölln", wo heute die Sartory-Säle untergebracht sind. Als 1926 direkt gegenüber die Familie Klein ihre Gaststätte für weniger gut betuchtes Publikum eröffnete, benannte sie diese zum einen nach sich selbst, zum anderen als Pendant zum Konkurrenten auf der anderen Straßenseite: das Klein Köln war entstanden. Diese Kultkneipe existiert bis heute, außen wie innen hat sich wenig verändert. Lediglich die Klientel ist eine andere geworden, wie der heutige Geschäftsführer Heinz Rockstroh erklärt. "Wir müssen uns da nichts vormachen. Das waren hier früher alles Puffs. Das Klein Köln gehörte genauso dazu wie alle anderen auch, nur nannte man es bis nach dem Krieg ‘Varieté mit angehängtem Zimmer'," erzählt Rockstroh. Sein Rotlicht-Image ist diese Viertel mittlerweile los - dafür hat unter anderem Gerling, dem weite Teile des Karrees gehören, schon gesorgt. Zuhälter, Prostituierte und Drogendealer passen nicht unbedingt zu den Gästen, die man sich als Global-Player vor der Haustüre wünscht. Das Versicherungsunternehmen renovierte zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser und sucht sich die Mieter sorgfältig aus.
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