"Ich kann nicht ohne Berlin"
Ein Gespräch mit... Matthias Schweighöfer
Matthias Schweighöfer (30) ist einer der erfolgreichsten jungen deutschen Schauspieler. Besonders wichtig nimmt sich der "What a Man"-Star deswegen aber nicht
Du wurdest zuletzt in Berlin in Unterhosen vor dem Brandenburger Tor gesehen. Wie ging es dir da?
Ich musste dabei an eine Szene von Frank Castorfs "Nord" an der Berliner Volksbühne denken. Da musste ich im Schlüpfer und in High Heels auf die Bühne.
Du hattest den "Schlüpperlauf" versprochen, sollte dein Film "What a Man" am ersten Wochenende die 400 000-Besucher-Marke sprengen. Bist du ein Mann, der zu seinem Wort steht?
Wenn man so eine Wette laufen hat, klar.
Du hast bei "What a Man" nicht nur die Hauptrolle gespielt, sondern auch Regie geführt, koproduziert und das Drehbuch geschrieben. War dir langweilig geworden?
Ich habe vor zwei Jahren meine eigene Firma "Pantaleon Films" gegründet, weil ich bestimmte Rollen und in bestimmten Genres spielen möchte und nicht darauf warten will, bis Regisseure oder Produzenten damit auf mich zukommen. "What a Man" war eine Übung und es kommen auch noch andere Filme. Wir planen gerade eine Tragikomödie, einen sehr dramatischen Film und ein kleines Melodram.
Im Film willst du ein Mädchen mit den Worten "Warst du gerade kacken?" aufreißen. Fast alle Pointen sind dir selbst oder deinen Freunden schon einmal passiert. Hand aufs Herz: Echt schon einmal eine Frau so angemacht?
Das ist ein Witz meines Vaters, den er mir vor Jahren erzählt hat. Ich fand einfach die Situation so lustig, dass ein Typ auf eine Frau zugeht, etwas Intelligentes sagen will und vor Aufregung so eine Scheiße erzählt.
Wäre Hollywood nichts für dich?
Ich bleibe einfach lieber hier. Ich liebe Berlin, das ist meine Stadt. Für mich ist es interessanter, in Europa Filme zu machen.
Du lebst in Berlin und hast ein Haus im Brandenburgischen. Wird dir die Stadt manchmal zu viel?
Ich kann nicht ohne Berlin, manchmal aber auch nicht mit Berlin. Die Stadt verleitet einen dazu, immer unterwegs zu sein. Es ist immer was los, das macht Entscheidungen oft auch schwer. Ich brauche diese Inseln des ganz normalen Lebens draußen. Berlin bestimmt oft den Rhythmus der eigenen Person, da draußen bestimmt man selbst den Rhythmus.
Du kriegst Dutzende von Einladungen für Galas, Premieren, Partys - und gehst nie hin. Warum?
Ich war jetzt seit einem Jahr nicht mehr feiern und vermisse das auch nicht. Es gibt immer gleich aussehende Leute, immer gleiche Getränke und es endet zwischen vier und sieben Uhr morgens mit einer Currywurst oder einem Döner.
Wo stehen dein Bambi und die Goldene Kamera?
Ich drapiere die nicht hinter Glas, dass Besucher denken "Mann, die Preise hat der gekriegt. Is ja irre!". Ich stelle die immer irgendwo zur Seite und sage mir: "Und weiter geht's!"
Du wirst von PRINZ zum "coolsten Berliner 2011" ernannt. Selbst scheinst du dich nicht so fürchterlich wichtig zu nehmen ...
Ich finde Menschen, die sich selbst wichtig nehmen, oft überschätzt. Ich habe im Leben gelernt, dass es wichtigere Dinge gibt als die eigene Person.
Du berlinerst ziemlich stark. Hat dir das schon mal ein Sprachlehrer versucht auszutreiben?
Im Gegenteil, ich habe mir bei meinem Engagement an der Volksbühne, wo alle berlinern, den Sprachduktus regelrecht antrainiert.
Was schauen wir uns als nächstes von dir an?
Im Dezember kommt der neue Film von Detlev Buck in die Kinos, "Rubbeldiekatz". Im Winter drehe ich die nächste eigene Produktion, die anders als "What a Man", der in Frankfurt gedreht wurde, in Berlin spielt.
Das Gespräch führte Sandra Piske
Matthias Schweighöfer gelang 2003 mit "Soloalbum" der große Durchbruch im deutschen Film. Er spielte in Til Schweigers Filmen "Kein ohrhasen" und "Zweiohrküken", an der Seite von Tom Cruise in "Operation Walküre" und zuletzt im Roadmovie "Friendship!".





