Durch soziale Kompetenz zum Erfolg
Lesestoff für Alle
Vor 100 Jahren begann in Kiel der märchenhafte Aufstieg eines Werftarbeiters: Richard Ganske und seine Nachkommen wurden Verleger - unter anderem des Blattes, das Sie in Händen halten
Archiv Ganske Gruppe /Merian KielNach dem Krieg wurden die Karten neu gemischt. Neue Medien machten Furore. Mit Beginn der zwanziger Jahre begann der Rundfunk seinen Siegeszug; innerhalb von zehn Jahren erhöhte sich die Zahl der im Deutschen Reich angemeldeten Rundfunkgeräte von wenigen hundert auf über vier Millionen. Aber das war keine Konkurrenz für illustrierte Blätter. Im selben Zeitraum erlebte auch die Massenpresse ihr goldenes Zeitalter. Wer informiert sein wollte, las Bücher, Journale, Lesemappen. Der Lesezirkel Daheim des Richard Ganske kam nun erst richtig auf Touren - das Geschäft der vielen kleinen Schritte, von Haus zu Haus, bei jedem Wetter. Es überstand Inflation und Wirtschaftskrise.
SOHN KURT übernahm Verantwortung. Kaum im Betrieb, baute der 1905 Geborene ab 1924 das Unternehmen aus, gründete Filialen in Dresden und Chemnitz, brachte die Zahl der Abonnenten von 3500 auf 10 000. Im Jahr darauf öffnete der Lesezirkel Filialen in Stettin, Frankfurt, Nürnberg und Düsseldorf. Und so ging es weiter, nach dem Prinzip des Spinnennetzes, ein Fadenziehen, ein planmäßiger Ausbau der Wege zum Leser. Und weil die Spinne besser in der Mitte als am Rande des Marktes ihr Netz spinnen sollte, zog die Zentrale des Unternehmens 1926 von Kiel nach Hannover. Daheim war bald überall, in Gelsenkirchen, Kassel, Mannheim und Osnabrück, in Augsburg und Breslau, Danzig und Berlin.
RICHARD GANSKE konzentrierte sich aufs Stammgeschäft, der Sohn drehte ein großes Rad, der Lesezirkel wurde zum florierenden Unternehmen, dem weltweit größten seiner Art. Aus dem Juniorchef wurde ein Unternehmer. Er fuhr Cadillac mit Chauffeur und kaufte ein Rittergut in Nordhessen.
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