Wehrdienst
Kein Bund fürs Leben
Im Juli wird der Pflicht-Wehrdienst abgeschafft. Doch wo sollen junge Erwachsene in Zukunft die Tugenden und Fähigkeiten erlernen, die ihnen bisher in der Grundausbildung eingetrichtert wurden? Zehn Vorschläge.
1. Kameradschaft lernen
Kameradschaft ist: den Rucksack des erschöpften Kameraden tragen, bei den Aufgaben zu Waffenkunde helfen und im Kriseneinsatz den Rücken des anderen decken. Problem: Wer früher in der Schule dick, hochbegabt oder einfach anders war, der wurde auch bei der Bundeswehr nicht glücklich. Der moderne Mensch von heute lernt Kameradschaft aber nicht beim Bund, sondern bei "World Of Warcraft". Dem süchtig machenden Online-Rollenspiel, in dem es um nichts anderes geht, als einen imaginären Wettbewerb zu gewinnen - mithilfe digitaler Freunde.
2. Eins mit der Natur werden
Die meisten von uns haben schon mal gezeltet, doch wer wirklich frieren und Angst vor Wildschweinen haben möchte, muss nur in die Sächsische Schweiz bei Dresden fahren. Dort nennt man draußen übernachten auch boofen, und eine Boofe ist ein Feuerplatz in freier Natur, direkt unterm Sternenzelt. Für den besonderen Kick: Boofen sind auch im Winter geöffnet.
3. Angst vor Waffen ablegen
Das ist nun wirklich einfach: Jedes Dorf, jede Stadt hat einen Schießverein. Allerdings sind die Aufnahmebedingungen erheblich komplizierter als bei der Bundeswehr. Hier reicht es nicht, einfach nur gemustert zu werden. Zur Aufnahme in einen Schießverein müssen verschärfte Bedingungen erfüllt werden. Zum Beispiel der Nachweis über psychische Stabilität. Was ja bei der Bundeswehr keine so große Rolle spielte.
4. Schmutzarbeit machen
Die Bundeswehr ist ein riesiger Beschäftigungsapparat. Dort wurden Abiturienten sieben Monate dazu verdonnert, Rostflecke aus alten Panzern zu kratzen, nur damit die verschrottet werden können. Akten klammern, die geschreddert werden sollen, Funksprüche überwachen, die keine Sau interessieren. Auch das ist Bundeswehr. In diesem Land gibt es nur einen einzigen vergleichbar schwerfälligen Apparat: die Verwaltung des Deutschen Bundestages. Wer dort ein Praktikum absolviert, wird Dinge tun, die kein Mensch als sinnvoll erachtet.
5. Homophobie verlieren
Wo, wenn nicht bei der Bundeswehr, lernten Männer, mit fremden Männern in Doppelstockbetten zu übernachten, offen über Vorhautverengung und Penisgrößen zu diskutieren. Das alles ist bald vorbei. Sollten wir Angst haben, eine Generation homophober Männer heranzuzüchten, weil sie nicht nackt, lachend und seifig eingeschäumt unter Gemeinschaftsduschen stehen? Nein, keine Sorge, jedes Hostel auf dieser Welt bietet Schlafsäle, in denen geweint, gelitten und masturbiert wird. Gemeinschaftsduschen inklusive.
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